Mittwoch , 17 Januar 2018
Traumhaus in der Provence anschauen

111 Orte in Grasse die man gesehen haben muss N° 22

Ein Boulevard zum Verlieben in Grasse

Die Champs Elysées von Grasse in der Provence

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Boulevard du Jeu de Ballon

Sie ist die schönste Strasse der Stadt Grasse: Der Boulevard du Jeu de Ballon. Sie verläuft von dem „Place de la Buanderie“ in einer Länge von 550m bis zum Cours Honoré Cresp. Der Boulevard, der übersetzt „Ballspielstrasse“ heisst, wurde so genannt, weil sich hier ausserhalb der alten Mauern ein Feld für das Ballspiel befand. Gespielt wurde „Pelote“, bei dem ein Ball mit einem Korbschläger oder mit der Faust gegen eine Wand zu schleudern galt und nach einmaligem Aufprall von der gegnerischen Partei genauso geschlagen werden musste!
Dies war ein Spiel, das vor der Revolution in Mode war und auch am Hof in Paris gespielt wurde.

Hier starten wir unseren kleinen Spaziergang …
Ich parke etwas oberhalb des Boulevards im Parkhaus „Notre Dame des Fleurs“ am Place de Martelly. Das ist sehr vorteilhaft, denn seit 2013 befindet sich über dem Parkhaus am Place de la Buanderie die Touristeninformation, das Office du Tourisme, wo ihr (fast) alle Informationen über Grasse bekommt. Ich verlasse zu Fuß den „Place de la Buanderie“ in Richtung Innenstadt und gehe auf die Quelle Foux zu. Diese versorgt die Stadt seit jeher mit Wasser und gibt dem Platz seinen Namen „Place de la Foux“. Direkt daneben ist das Denkmal, dass an den kurzen Aufenthalt von Napoléon am 2. März 1815 in Grasse erinnert, bevor er die heutige Route Napoléon RN85 einschlug, um den beschwerlichen Weg über die Alpen zur Hauptstadt Paris zu nehmen.

Der Boulevard ist ein Geschäfts-und Bankenviertel geworden. Nach dem Model des Pariser Architekten Haussmann wurden schattenspendene Bäume gepflanzt. Winterkurgäste und auch Einheimische haben hier schon immer den Spaziergang durch Grasse genossen.

Wir schlendern  den „Boulevard du Jeu de Ballon“ hinunter Richtung Cours Honoré Cresp. Die warmen Farben der Fassaden in sonnengelb und die von Palmen umsäumte schöne Strasse lassen den Wandel der Zeit erkennen. Dort, wo sich im Mittelalter die alte Stadtmauer entlangzog, deren Tore nur geöffnet wurden um Pferdekutschen und die vielen Menschen durch die stark verschmutzten Gassen der Altstadt einzulassen, da pulsiert heute ganz normaler Stadtverkehr. Allerdings befindet sich die Vespasienne, einst wegen dem „goldenen Körpersaft“ für die Gerberei sehr wichtig, seit über 250 Jahren immer noch am selben Platz von damals!

Der schöne alte Kiosk, umgeben von alten Platanen, ist im Pariser „Haussmann Stil“ im 19. Jahrhundert erbaut. Die hiesige Regionalzeitung Nice Matin hat ihre Redaktion auch auf diesem Boulevard und ein ganz besonderes Augenmerk sollte man der Architektur des Bankhauses Crédit Agricole widmen: Im 13. Jahrhundert befand sich hier das Kloster der Augustiner Mönche, die dann während der französischen Revolution 1789 abwanderten. 1820 wurde die Kirche des Klosters zum Theater umgebaut. 1930 restaurierte der Schweizer Architekt Robert Mallet Stevens das Gebäude und vergrösserte den Innenraum und die Eingangshalle. Das ehemalige Kloster erhielt klare, helle Strukturen, wurde 1944 zum Kino und ist seit 1961 im Besitz der Crédit Agricole.

Cafés , Restaurants, Bistros…
Kleine Cafés und Bistros sind einladend: Das „Petit Bistro“ lohnt sich immer! Schaut einmal auf die kleine, aber feine Karte! Der Chef JC  „Jean-Christoph“  ist immer da, superfreundlich und wird liebevoll ‚Cyrano de Grasse‘ genannt. Warum wohl ?

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Le Petit Bistro

Wer sich nur eine  ganz kleine Verschnaufpause bei einem Café gönnen möchte, der kann das auch auf der urigen Dachterrasse vom  „Bistro O’Céane“ direkt gegenüber dem Eingang des Parfümmuseums MIP tun.

Bonjour in Grasse Prinzessin Pauline  !
Die Haus n° 2 des Boulevards ist noch immer das Haupteingangsportal des Herrenhauses Pontevès, was heute das Parfümmuseum ist. Auf keinen Fall solltet ihr euch den Besuch im Musée International de la Parfumerie MIP entgehen lassen! Das Gebäude ist, wie fast alle Gebäude in Grasse, sehr geschichtsträchtig. Es lag damals der alten Stadtmauer zu Füßen und ist in 2008 großartig umgebaut worden. Das Parfümmuseum hat einen wunderschönen, kunstvollen Orangengarten, der das Lieblingsplätzchen von Napoleons Schwester Pauline Bonaparte Borghèse ( 1780-1825)  während ihrer Winterferien hier war.

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Princesse Pauline im Orangengarten

Ich gehe durch den Rosen- und Glycinienbogen, werfe von aussen nochmals einen Blick in den Garten vom Museum und auf die Marmorskulptur von Princesse Pauline. Sie hat Ihren neuen Platz  hier gefunden nachdem ihr im Jardin de la Princesse Pauline, oberhalb von Grasse, mehrfach die Nase gebrochen wurde.

Am Place de Clavecin plätschert das Wasser um die Marmorfigur von Honoré Fragonard, dem bekanntesten Sohn der Stadt. An diesem Platz stand im Mittelalter die Guillotine. Im Garten des Museums befindet sich eine kleine Gedenktafel mit Namen, die während des Terrors 1793-1794 am Square du Clavecin exekutiert wurden . Man zählte über dreizig Köpfe, die durch das „couperet“ fielen. Ein Clavecin ist übrigens ein Cembalo. Man nannte diesen Platz wahrscheinlich so, weil er der dreieckigen Form eines Cembalos glich.

Wir gehen vorbei am Palais de Congrès, bewundern den Brunnen am Kreisverkehr mit den klassischen Blumen von Grasse : Jasmin, Lavendel,Rosen und Tubereuse und gehen auf den Cours de Honoré Cresp. Von dort aus hat man einen atemberaubenden Blick auf das Meer und auf die Katherale von Grasse !
Alle zwei Jahre findet hier auf dem Platz zwischen dem Boulevard und dem Cours ein Wettbewerb bekannter Bildhauer – Concours du marbre- statt. Die Partnerstädte von Grasse sind Ingolstadt und CarraraItalien. Carrara spendet zu diesem zweijährig stattfindenen Wettbewerb sieben große Marmorblöcke, die vor den Augen der Besucher und Grasser geformt werden. Ab und zu begegnet man einer solcher Marmorskulptur an verschiedenen Plätzen in der Stadt.

Voilà , bonne promenade !

3 comments

  1. Tolle Fotos und Texte! Wir sind zwar häufiger in der Provence unterwegs, aber nach Grasse haben wir es irgendwie noch nie geschafft. Die Seite zeigt, dass wir es schleunigst nachholen sollten!

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