Traumhaus in der Provence anschauen
  • Musée d'Art et d'Histoire de Provence

111 Orte in Grasse die man gesehen haben muss N° 26

Ein ganz besonderes Museum in Grasse

„Vive la Provence“ in Grasse

Die mittelalterliche Stadt Grasse hat noch nie so viele Touristen gesehen , wie in den vergangenen Jahren. Hier sieht man eine japanische Reisegruppe, dort betrachteten Amerikaner die alten Fassaden. Bei einem Spaziergang durch die Strassen , engen Gassen und über belebte Plätze, entdeckt man in der Architektur von Grasse echte provenzalische Akzente. Das wohl eleganteste Haus in Grasse ist ohne Zweifel das ehemalige Privathaus Hôtel Clapiers-Cabris. Ohne wörtlicher Entsprechung in der deutschen Sprache versteht man hier unter „Hôtel“ ein Stadthaus des 17.und 18. Jahrhunderts von wohlhabenden Bürgern.
Mahap_invitart8
Dieses Stadthaus ist heute das Musée d’Art et d’Histoire de Provence in Grasse und viele Touristen kennen es einfach nicht. Für mich gehört es zu den Lieblingsplätzen in Grasse. Es ist ein Ort, wo man Geborgenheit fühlt, deshalb würde ich es tatsächlich als „Heimatstube“ bezeichnen , denn es erzählt und zeigt das Alltagsleben in der Provence von damals.

Un peu d’histoire …

In 1771 war das Grundstück nur mit Orangen- und Olivenbäumen bewachsen und befand sich ausserhalb der Stadtmauern. Wäre nicht der verrrückte Marquis Jean Paul de Clapiers – Cabris mit seiner Ehefrau Louise de Riqueti gewesen: Zuerst beauftragte er den milanesischen Archtitekten Jean Orello , der den Bau mit italienischem Esprit zeichnete, die Fassaden färbte und horizontale Kalkbahnen hervorhob. Man nannte es “ Petit Trianon de Grasse“ , weil es dem kleinen Lustschloß der Madame Pompadour im königlichen Paris so ähnelte. Für die Innenarchitektur scheute der Bauherr und Marquis de Cabris nun wirklich keine Kosten. Die Möbel und Holzvertäfelungen bestellte er in Paris, den Marmor in Marseille, die Kacheln im Norden Frankreichs, die Eingangshalle wurde dem Skulpteur André Breuet mit aussergewöhnlichen Flachreliefs in Auftrag gegeben. Die luxuriösen Ausgaben und Unsummen verleihen dem Bauwerk sicherlich einen besonderen Charme, aber sie ruinierten auch den Marquis de Cabris. Die Arbeiten wurden nie fertigggestellt.Mahap_invitart16

Das Bauwerk überstand ohne Schaden die Revolution und wurde 1813 durch die Comtesse Pauline de Navailles, der einzigen Tochter des Ehepaares, versteigert. Seine neuen Eigentümer , die Parfümeursbrüder Bruery, verkauften das Interieur und verwandelten das Gebäude zu einem Nebengebäude ihrer angrenzenden Parfümfabrik und in Appartments, bevor Francois Carnot es erwarb.

Francois Carnot (1872-1960), diesem Namen begegnet man öfter in Frankreich! Kein Wunder , denn sein Vater war ja schliesslich der berühmte Staatspräsident. Da François Carnot standesgemäß die Industriellen Tochter Valentine Chiris aus Grasse heiratete, ließ er seine Beziehungen in Paris spielen und erhielt Spendengelder, um 1921 in dieses schöne Museum zu investieren. Seit 1952 ist es Eigentum der Stadt Grasse und lädt jeden Besucher zu einem kostenlosen Besuch ein. Das muss man den Grassern ja lassen: so knapp und teuer die Parkplätze in ihrer Stadt auch sind, umso günstiger sind die Museumsbesuche!

Et aujourd’hui… Was gibt es im Musée d’Art et d’Histoire de Provence zu sehen

Pariser Chic kam zuerst nach Aix en Provence, bevor es die weitere Provence in Draguignan, Antibes und Grasse erreichte.  Dieses aristrokratische Stadthaus befindet sich nach wie vor zwischen seinem wunderschönen Garten und der Rue Mirabeau. Auf drei Etagen kann man im Style Louis XV und dem familiären Charakter aus provenzalischen Bürgerhäusern auf Entdeckungsreisen der östlichen Provence gehen. Das Holz der Möbel war meistens aus Nussbaum, aber auch Birne, Zitronen- oder Olivenholz. Im Salon und den Schlafzimmern befinden sich original provenzalische Einrichtungen. Besonders die provenzalische Küche in der unteren Etage ist sehenswert: Habt ihr schon einmal einen“ Pince à casser le sucre“ gesehen? Oder verschiedene offene Feuerstellen für Fleischspieße, besondere Töpfe für diverse provenzalischen Delikatessen wie Ratatouille, Soupe Pistou oder Daube. Das Brot wurde im „panetière“ aufbewahrt, das Salz oder Mehl in schönen Wandschränken, die aus wertvollen Hölzern gefertigt wurden.

Eine traumhafte Sammlung von Faïencen

Ganz besonders schön und wertvoll ist die vielfältige Sammlung von Faïencen aus Varages, Moustier, Apt, Biot. Mit dem Namen Fayence oder Faïence bezeichnet man Geschirr aus feinem Ton, das von einer undurchsichtigen, weißen Zinnglasur überzogen ist. Eingebrannte und aufgelegte Farben geben dieser Tonware den Charakter des Prunkgeschirrs aus dem 17. und 18.Jahrhundert. Das bunt bemalte Geschirr brachte Licht und Farbe in den provenzalischen Alltag. Schaut euch einmal an , wie damals der Tisch gedeckt wurde!Mahap_invitart5

Im Sommer sollte man in den Garten hinausgehen und die Eleganz der imposanten Fassade bestaunen. 2010 wurde der Garten von dem Gartenarchitekten Jean Mus renoviert.
Im Untergeschoss befinden sich auch die Gewölbe, wo damals Oliven gemahlen und gelagert wurden. Die alten Gefässe, die Jarres, sind aus dem 17. Jahrhundert und heute sehr wertvoll.

Ganz besonders schätze ich die in jedem Jahr stattfindenen Sonderausstellungen über das Leben in der Provence in meinem Lieblingsmuseum Musée d’Art et d’Histoire de Provence . In Frankreich liebt ja man Abkürzungen, daher wird es auch kurz MAHP genannt.

Mahap_invitart13

Also, wer sich für die Provence interessiert, der langweiligt sich hier bestimmt nicht…

Musée d’Art et d’Histoire de Provence  2, rue Mirabeau 06130 Grasse

Oktober bis März:     10.30h- 17.30h    dienstags geschlossen

April bis September :10h -19h     durchgehend geöffnet