Traumhaus in der Provence anschauen

111 Orte in Grasse die man gesehen haben muss N°2

Hôtel Court de Fontmichel in der Rue Amiral in Grasse

Ein historisches Haus in Grasse

In Grasse schlengeln sich enge Strassen-heute und damals. Mitten im Herzen des historischen Stadtkerns befindet sich seit über 300 Jahren zwischen Rue Amiral de Grasse und Rue Jean Ossola, eines der schönsten Häuser der Stadt, das Hôtel Court de Fontmichel. Man erkennt es auf Anhieb: Das Haus hat einen leicht rosa Teint und sieht aus, als sei es mit Goldstaub bepudert. Acht große Gitter vor den Fenstern des Erdgeschosses, das ist ein Kennzeichen für ein typisches provenzalisches Herrenhaus, einem Hôtel Particulier, wie man im Französischen sagt. Diese hochherrschaftliche, majestätische Fassade ist jedoch nur ein kleiner Teil dessen, was sich noch in diesem Haus verbirgt. Das Hôtel Court de Fontmichel wurde nach einer Bauzeit von über hundert Jahren schliesslich 1774 fertiggestellt, ist seit 1783 im Besitz der heutigen Familie und erzählt nicht nur eine provenzalische Geschichte, sondern eine besondere Reise in die Vergangenheit.

Goethes Geist in Grasse 
François de Théas Graf von Thorenc wurde 1719 in Grasse geboren und wohnte später in dem Haus 18,rue Amiral de Grasse. Er war Spross einer provenzalischen Adelsfamilie, Kunstliebhaber und für Frankreich in den Krieg gezogen. Unter seiner Führung erfolgte 1759 die Besatzung von Frankfurt am Main. Für dies erhielt er vom französischen König Ludwig XV den Titel Königsleutnant, uns aus Goethes Schilderung „Dichtung und Wahrheit“ bekannt. Er ist die liebenswürdige Figur, die Goethe als den bei seinem Vater Caspar im Siebenjährigen Krieg einquartierten Kommandanten von Frankfurt, beschreibt. François de Théas war ein gutsituierter Gentlemen, zwar Franzose und Besatzer, aber offen für die schönen Dinge des Lebens. Er verliebte sich in deutsche Gemäldekunst im Goethischen Haus am Großen Hirschgraben und beauftragte die Künstler Schütz, Seekatz und Nagel, Gemälde für sein Herrenhaus in Grasse zu malen. Und so wurden vor den Augen des kleinen Goethes diese Bilder gemalt! 1770 zieht sich der Königsleutnant dann nach Grasse zurück, wo wir heute das besondere Erbe aus Goethes Kindheitszeit im Hause de Fontmichel bewundern können. Ein Drittel der aus Frankfurt mitgebrachten Werke hängen in dem Herrenhaus in der Rue Amiral de Grasse. Bisher war es unmöglich hinter die Fassaden zu blicken, aber seit 2012 öffnet Philippe Emmanuel de Fontmichel in den Sommermonaten für kurze Zeit seine Türen für interessierte Besucher. Die Fassaden, der Garten und seine Umgebung sind typisch provenzalisch, aber in den Mauern schwebt Goethes Geist…

Was gibt es im Hôtel Court de Fontmichel zu entdecken?
Die großzügige Eingangshalle wurde 2003 komplett renoviert. Sie beherbergt einen ‚Chaise à porteurs‘ eine Art Sänfte die während der französischen Revolution benutzt wurde, um Verwundete zu transportieren. Die provenzalische Flagge erinnert an Hervé de Fontmichel, ein großartiger Jurist und Politiker, der von 1971-1995 Bürgermeister der Stadt Grasse war. Die provenzalischen Farben des Treppenhauses lassen hier Geschichte zum Leben erwachen. Das Hauptgebäude enstand während der Regierungszeit von Ludwig XIV, der rechte Gebäudeflügel, nennt sich auch ‚la petite maison‘ entstand zur Zeit Ludwig XV und der linke Flügel wurde während der Regierungszeit von Ludwig XVI angebaut. Wir treten ein in die gute Stube, in den ‚Salon des Grecs‘. Dort hängen Wandmalereien mit mystischen Szenen die zwischen 1759- 1763 in Frankfurt durch Thorencs Spezialauftrag für genau diese Räume entstanden und seit jener Zeit unverändert an diesem Ort geblieben sind. Im ‚Grand Salon‘ finden wir weitere Portäts mit biblischen, ländlichen oder mythologischen Szenen und das Porträt von Monsieur Jean de Gallimard der 1747 die erste Parfümerie in Grasse gründete. Er ist umgeben von Jasmin, Rosen, Tuberose und Nelken, den wichtigsten Pflanzen in der Parfümerherstellung. Der französische Garten ist im 19.Jahrhundert angelegt. Sonnenfrüchte wie Zitronen, Orangen, Pampelmoussen und Mandarinen sorgen heute noch für den häuslichen Eigenbedarf. Schatten gibt es in romantische Ecken: ein Art Leseraum le ‚lectiçoir‘ von 1850 und im kleinen Wintergarten ‚la serre‘ von 1805 mit origineller Wandmalerei. Diese schattigen Plätzchen nutzen die Damen zum Kartenspielen, Lesen oder ganz einfach als Ruheoase im Herzen der Altstadt. Von der ersten Etage des Hauses blickt man über die Dächer von Grasse bis zum Meer.

Wann  Wie  Wo    kann ich das Hôtel Court de Fontmichel besichtigen?
Die Führungen begleitet Carmen. Eine Voranmeldung ist zu empfehlen! Hôtel Court de Fontmichel 18, rue Amiral de Grasse  Auskünfte und Anmeldung: +33 6.50.05.88.56
Tägliche Führungen in französischer und deutscher Sprache von 11h-13h und 15h -18h finden nur im Sommer von Juli-September statt. 12 Euros pro Person., 9 Euros Gruppe (ab 3 Personen)
Tipp: Eine persönliche Hausführung mit dem Sohn des Hauses Philipp-Emmmanuel de Fontmichel   freitags 13h. Eine Reservierung ist notwendig.