Traumhaus in der Provence anschauen

111 Orte in Grasse die man gesehen haben muss N° 21

Liberté,égalité, spécialité à Grasse

Der kleine Tante Emma Laden in Grasse

In den engen Gassen von Grasse wird man immer wieder überrascht. Da denkt man, so etwas kann es doch eigentlich in der heutigen Zeit nicht mehr geben!  Schon allein beim Blick durch das Ladenfenster hat man den Eindruck, dass hier für einen Moment die Zeit steht. Wenn man den kleinen Tante Emma Laden oder sollte ich lieber „Onkel Jean Pierre Laden“ sagen betritt, wird man auch gleich schon von ihm persönlich begrüsst.Jean Pierre ist der Patron in seinem „Einmannbetrieb“, den er seit seiner Geburt kennt,ein Mann der lieber lächelt als redet. In Grasse ist er geboren und er war nie wirklich fort.





Tradition setzt sich eben durch

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Der kleine Laden in Grasse

Vor über hundert Jahren hatten schon die Großeltern  in der Rue Rêve Vieille gleich nebenan ihren Laden und waren bekannt für selbstgemachte Nudeln und Raviolis. Vater François zog dann mit dem „Maison du Ravioli“ in die Rue Mougins Roquefort, wo auch heute noch nach altem Rezept des Hauses die Raviolis und Pâtes, so nennt man französische Nudeln,  als Spezialität frisch hergestellt werden. Jean Pierre verrät dass er den Nudelteig mittlerweile durch eine Maschine formt, während ich mit dem alten Nudelholz von seiner Großmutter liebäugele! Seine Pâtes sind die besten weit und breit, das ist Insidern bekannt und darauf ist er stolz.

Namen wie Super- oder Hypermarché kennt Jean Pierre nicht. Er braucht kein Internet und  auch keine Werbung, er steht noch nicht einmal im Telefonbuch. Seine Telefonnummer steht schliesslich auf dem gemalten Ladenschild, die kann man ja aufschreiben, sagt er. Das Telefon klingelt: „Oui Madame…“. Es ist selbstverständlich, dass seine Stammkunden ihre Waren vom Patron nachhause geliefert bekommen. Das war schon immer so.

 

„Alimentation Genérale“ heisst der kleine Laden in der Rue Mougins-Roquefort in Grasse, wo man alles bekommt was man zum alltäglichen Leben braucht. So ist auch das mit Bedacht ausgewählte Sortiment von Jean Pierre: guter Wein muss nicht teuer sein, Käse Klassiker, magerer Schinken, gute Butter, super frische Eier, Orangenblütenwasser aus der Region für die Crêpes, Lavendelhonig vom Imker nebenan,Oliven auch,Tapenade, Kräuter und Gewürze in grossen Dosen, jeder kauft nur das was er braucht! Die lange Liste nimmt kein Ende. Aber das Besondere bleiben die frischen Nudeln! Die Regale sind zwischen den alten Mauern und Bögen aus dem 14.Jahrhundert angepasst, über den Gewölben hängen die Fotos von damals, der alte Kachelboden ist besenrein. Ist das herrlich hier! Von oben bis unten ist der Raum gefüllt, Reis und Co. stehen in Zentnersäcken in den Ecken und warten auf Kundschaft! Jeder bekommt soviel wie er benötigt und wer nicht findet was er sucht, der muss eben den Chef fragen!

Wo ist Jean -Pierre’s Lädchen?Tante_Emma_Laden_Grasse20_invitart
Mitten in der Altstadt im Labyrinth der Strassen liegt „Alimentation Genérale“ in der Rue Mougins Roquefort . Auf dem Weg zur Kathedrale sieht man wahrscheinlich Jean -Pierre vor seinem Lädchen frisches Obst und Gemüse sortieren. Er ist ja immer da.

Mein Grasser Altstadt Tipp: In Grasse tragen die Strassen große Namen, die Häuser mit ihren typischen rauhen Fassaden stammen zum Teil noch aus dem Mittelalter. Die nach dem Bürgermeister Joseph Mougins Roquefort, der während der Revolution 1789 in Grasse im Amt war benannte „Rue Mougins Roquefort“, ist ein klassisches Beispiel für mittelalterliche Strassen und Häuser in Grasse. Ebenso die Rue Répitrel. Wer vor Jean Jacques Lädchen steht, der blickt einmal in diese Nachbargasse. Seht ihr das kleine romanische Fenster und die architektonischen Konsolen, französisch nennt man sie les corbeaux, aus dem 14. Jahrhundert? Die Rue Répitrel war früher das jüdische Viertel.

Es gibt sie also doch noch: Die Provence wie wir sie lieben !